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DER EINKAUF UNTERLIEGT VERÄNDERUNGEN? NEIN! DER EINKAUF GIBT IMPULSE FÜR WICHTIGE VERÄNDERUNGEN!

Das klingt natürlich zunächst dramatisch: „Unser Einkauf unterliegt (starken) Veränderungen.“

Kein Unternehmen profitiert davon, dass sein Einkauf (wem auch immer) unterliegt. Trotzdem sind Veränderungen ständig notwendig. Wird der Einkauf nicht einbezogen, sind die Ergebnisse dieser Prozesse oft unbefriedigend. Warum ist das so?

Einkäufer sind immer Kompetenzzentren ihrer Unternehmen. Kaum ein anderer Bereich verfügt über eine vergleichbare Fülle an Informationen, Wissen, Einfluss, Verhandlungs- und Prozesskompetenz etc. Und so muss das schließlich auch sein, denn jede dort getroffene Entscheidung hat sofort, mittel- oder langfristig finanzielle Konsequenzen für das gesamte Unternehmen und seine Ergebnisse.

(Leider betreibt auch kaum ein anderer Bereich ein vergleichbar schlechtes Selbstmarketing. Allenfalls noch die Buchhaltung.)

Die meisten Unternehmen sind grundsätzlich verkaufsorientiert aufgestellt, und in diese Richtung wird auch gedacht und gehandelt. Logisch. Davon lebt schließlich jedes Unternehmen. Und unter dieser Ausrichtung entstehen allerdings auch viele kleine Herrschaftsbereiche oder „Herzogtümer“, die nicht oder nur wenig miteinander kommunizieren. Dass Abgrenzung bzw. Abschottung Geld kostet, wissen nicht nur Politologen. In Unternehmen fließen Zeit, Geld und viel Energie dann in parallele Strukturen, multiple Einzelentwicklungen, Kompensation (scheinbar) überraschender Marktentwicklungen und vieles mehr.

Solche „Herzogtümer“ sind häufig: Forschung, Entwicklung, Konstruktion, kaufmännische Bereiche, Produktion, Logistik.

Dort haben sich dann „herrschaftliche Strukturen“ herausgebildet, die von den Protagonisten mit aller Macht verteidigt werden, koste es was es wolle. Ganz abgesehen davon, dass überall dort auch das entsprechende „Herrschaftswissen“ entstanden ist, dessen Besitz und Umfang die eigene Bedeutung definiert und deshalb unter keinen Umständen preisgegeben werden darf.

Viele Einkaufsleiter wissen darum und beobachten das mit Sorge. Denn Veränderungen an Märkten, auf die Unternehmen nicht oder zu spät reagieren, können irreparablen Schaden anrichten. Nur – die Veränderungsimpulse kommen von anderen. Drei Beispiele aus dem Alltag:

  • Währungs- und andere Preissicherungsmaßnahmen gehen oft auf Initiativen der kaufmännischen Bereiche zurück.
  • Produktentwicklungen bzw. Veränderungen bestehender Produkte initiiert häufig der Bereich Entwicklung bzw. Konstruktion, manchmal noch der Vertrieb.
  • Die Substituierung verwendeter Rohstoffe und anderer Materialien bzw. Vorprodukte findet häufig ohne den Einkauf statt (der wird zum Schluss dazu geholt, wenn es um die Umsetzung geht), das Thema wird entweder gerade angetriggert oder ist en vogue, oder jemand hat eine Idee mitgebracht.

Nein, das ist nicht immer und überall so. Aber immer noch viel zu oft, weil Einkäufer sich nicht einmischen. Es wird Zeit, mit dieser Tradition zu brechen.

Wie sieht einkäuferische Einmischung konkret aus?
Hier einige Gedanken und Empfehlungen:

  • Sorgen Sie als Einkaufsleiter dafür, dass Sie festes Mitglied des Management-Teams Ihres Unternehmens sind.
  • Stellen Sie sicher, dass in allen Gremien, in denen das Produkt- und / oder Projektmanagement zentrales Thema ist, Ihr Bereich permanent vertreten ist.
  • Organisieren Sie einen regelmäßigen Austausch mit dem Produktionsbereich zu wechselnden Themen mit konkreten Aufgabenstellungen.
  • Bei Neuentwicklungen von Produkten Ihres Unternehmens sind Sie von Beginn an „im Boot“.

Natürlich rücken Sie damit auf der Beliebtheitsskala in Ihrem Unternehmen nicht nach oben. Aber wenn Sie als Einkaufsleiter beliebt sind, sollten Sie sich sowieso selbst hinterfragen. Diesbezüglich sind Sie in der gleichen Situation wie die Leiter der Buchhaltung und des Controllings. (Interessant übrigens, dass die Begriffe „beliebt“ und „beliebig“ den gleichen Wortstamm haben ..)

Einkaufsmanagement ist Change Management. Als Einkaufsleiter sind Sie auch Change Manager. Sie legen nicht nur den Finger auf die Wunde, Sie sehen schon lange vorher, wo Veränderungen notwendig sind. Es ist Ihre Aufgabe, andere anzutreiben und die Zäune der „Herzogtümer“ niederzureißen, anstatt darauf zu warten, dass Sie von anderen getrieben werden und (dann in der Regel unter Druck) reagieren müssen. Es wird auch Zeit, dass Sie einen Teil ihrer Energie in ein aktives Selbstmarketing investieren, dass Sie gesehen und gehört werden.

Dann erst gewinnt Ihr Unternehmen durch Ihre Veränderungsimpulse. Sonst unterliegt der Einkauf tatsächlich den Veränderungen.